Das Gejammer

Ich kenne kaum etwas, das so unpopulär ist, wie das Sprechen über Schmerz, Leid, Angst, über Bedenken und Sorgen. Der Bericht über die eigene Befindlichkeit wird schnell als anlass- oder grundloses Jammern und Klagen gewertet.

Das ist eigentlich auch kein Wunder in einer Gesellschaft, deren Hauptaugenmerk auf ökonomischem Wachstum und daher auf Erwerbsarbeit und Konsum liegt. Um diese beiden Funktionen – diejenige als Arbeitskraft und diejenige als Konsument – gewinnbringend, effektiv und zuverlässig ausfüllen zu können, muss der Mensch die Komplexität seines Lebens und Erlebens auf ein verwertbares Maß reduzieren.

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„Stress hat nur der Leistungsschwache!“

Wenn ich nicht so wäre, wie ich bin, dann wäre es mir ganz egal, ob es unpopulär ist, über das eigene Versagen zu schreiben. Aber ich bin, die ich bin. Es macht mir etwas aus, denn die Erwartungen anderer sind nach wie vor viel bedeutender für mich, als ich eigentlich selber will. Das macht die eigene Schwäche noch viel schwerer erträglich, als sie es sowieso schon ist. Weiterlesen „„Stress hat nur der Leistungsschwache!““

Über Masken

In mir ist dieses Gefühl, einen erheblichen Teil meiner Zeit nicht ich selbst sein zu können. Ich spiele jemanden. Ich bin nur, wenn ich allein bin, in Gegenwart des Gatten oder sehr vertrauter Freunde. Aber auch dann habe ich oft eine Instanz in mir, die mir permanent sagt, wie ich sein sollte. Was ich bräuchte statt dessen wäre jemand in mir, der mich ermutigt, die zu sein, die ich sein könnte und will. Weiterlesen „Über Masken“

Psychotherapie, zweite Runde

Während vor mir dieses leere Textfeld wartet, gefüllt zu werden, merke ich, was für Hemmungen ich doch habe, dies hier zu schreiben. Wenn ich genauer darüber nachdenke, hängen diese Hemmungen unmittelbar mit dem zusammen, was ich mir als Klischees über Psychotherapie in den Köpfen anderer vorstelle. Vorurteile. War klar, die hat ja auch einen an der Waffel! Weiterlesen „Psychotherapie, zweite Runde“

Widrigkeiten

Wenig Schreibelaune gerade. Wieder mal haben die Wochen 50 Stunden statt 40, müssen Aufträge ganz dringend bis gestern erledigt werden, und am Donnerstag habe ich 15 Stunden am Stück durchgearbeitet. Keine Zeit zum Schlafen, keine Zeit, ordentlich zu essen, keine Ruhe, um mich richtig zu erholen. Daneben bleibt alles andere liegen. Das vor mir liegende lange Wochenende mildert die Spannung, von der ich einfach hoffe, dass sie sich auch mal über längere Zeiträume etwas gibt.
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Verpestete Luft

Falls ich im Büro sitze und mal nicht so ganz genau weiß, welcher Wochentag ist, reicht es, wenn ich meiner Kollegin M. zuhöre. An ihrer Stimmung lässt sich meistens ziemlich zuverlässig ablesen, ob es ein Montag ist und zehn Uhr vormittags oder ein Freitag, halb zwei. Ihre Stimmung steigt im Tages- und Wochenverlauf jeweils exponentiell. Das bedeutet nun aber nicht, dass sie am frühen Freitagnachmittag ein Ausbund an spritzigem Humor und ausgelassener Fröhlichkeit sein muss. Zurückgerechnet: Am frühen Montagmorgen ist sie meist nicht nur schlecht gelaunt, sondern eine ausgesprochene Gewitterziege.

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„Normal ist das nicht…“

Es war das erste Mal überhaupt in meiner Geschichte der Erfahrung mit Ärzten, dass jemand mich knapp, eloquent und unkompliziert ernst genommen hat in der Aussage, ich sei immer müde und erschöpft und fertig. Ich habe erzählt, wie es ist, wenn ich nach der Arbeit nur noch auf das Sofa falle und mich zu nichts mehr in der Lage sehe. Weiterlesen „„Normal ist das nicht…““