Das Gejammer

Ich kenne kaum etwas, das so unpopulär ist, wie das Sprechen über Schmerz, Leid, Angst, über Bedenken und Sorgen. Der Bericht über die eigene Befindlichkeit wird schnell als anlass- oder grundloses Jammern und Klagen gewertet.

Das ist eigentlich auch kein Wunder in einer Gesellschaft, deren Hauptaugenmerk auf ökonomischem Wachstum und daher auf Erwerbsarbeit und Konsum liegt. Um diese beiden Funktionen – diejenige als Arbeitskraft und diejenige als Konsument – gewinnbringend, effektiv und zuverlässig ausfüllen zu können, muss der Mensch die Komplexität seines Lebens und Erlebens auf ein verwertbares Maß reduzieren.

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„Stress hat nur der Leistungsschwache!“

Wenn ich nicht so wäre, wie ich bin, dann wäre es mir ganz egal, ob es unpopulär ist, über das eigene Versagen zu schreiben. Aber ich bin, die ich bin. Es macht mir etwas aus, denn die Erwartungen anderer sind nach wie vor viel bedeutender für mich, als ich eigentlich selber will. Das macht die eigene Schwäche noch viel schwerer erträglich, als sie es sowieso schon ist. Weiterlesen „„Stress hat nur der Leistungsschwache!““

Revision

Dieses Blog existiert jetzt seit beinahe sieben Jahren. Es hat mich als virtuelles, öffentliches Tagebuch lange begleitet und viele Menschen haben hier ihre interessanten, streitbaren, ermutigenden Kommentare hinterlassen. Das macht das Blog und das Bloggen für mich zu einer lebendigen Angelegenheit, die ich in dieser langen Zeit sehr genossen habe. Geärgert habe ich mich auch ab und zu, oder den Sinn des Bloggens angezweifelt. Weiterlesen „Revision“

Nützlich

Den eigenen Geburtstag herbeizusehnen ist ein Gefühlszustand, der mir irgendwann in der Teenagerzeit vollständig abhanden gekommen ist. Vielleicht liegt es am Älterwerden und daran, dass man sich daran gewöhnt. Es könnte auch sein, dass man allmählich begreift, Geburtstage fühlen sich auch nicht anders an als andere. Weiterlesen „Nützlich“

Über Masken

In mir ist dieses Gefühl, einen erheblichen Teil meiner Zeit nicht ich selbst sein zu können. Ich spiele jemanden. Ich bin nur, wenn ich allein bin, in Gegenwart des Gatten oder sehr vertrauter Freunde. Aber auch dann habe ich oft eine Instanz in mir, die mir permanent sagt, wie ich sein sollte. Was ich bräuchte statt dessen wäre jemand in mir, der mich ermutigt, die zu sein, die ich sein könnte und will. Weiterlesen „Über Masken“

Friesland: Befindlichkeiten

Nur weil man Urlaub hat, muss es einem noch lange nicht gut gehen. Das ist das Schwierige an der Depression. Außenstehende bewerten die Lage oft mit den Worten „Die hat doch alles…!“ oder „Es geht ihr doch gut, warum also…?“

Nach Wochen und Wochen der Plackerei, nach Überstunden, Stress und Großprojekten vierzehn Tage Urlaub zu haben, sollte mich ja eigentlich in einen Zustand des Glücks versetzen. Endlich habe ich die Freiheit, zu tun, was ich will, Freiheit von der Stempeluhr, Freiheit von Alltagssorgen, die Freiheit, über meine eigene Zeit zu bestimmen und hinzugehen, wo ich will, wann ich es will. Ganz so einfach ist es aber nicht. Weiterlesen „Friesland: Befindlichkeiten“