Revision

Dieses Blog existiert jetzt seit beinahe sieben Jahren. Es hat mich als virtuelles, öffentliches Tagebuch lange begleitet und viele Menschen haben hier ihre interessanten, streitbaren, ermutigenden Kommentare hinterlassen. Das macht das Blog und das Bloggen für mich zu einer lebendigen Angelegenheit, die ich in dieser langen Zeit sehr genossen habe. Geärgert habe ich mich auch ab und zu, oder den Sinn des Bloggens angezweifelt.

Manchmal fiel mir gar nichts ein, es hatte sich einfach nicht ergeben, in mir brannte gerade kein Thema, kein Gefühl, nichts, das hier in Worte gefasst hätte werden müssen. Ich habe mir Blogpausen erlaubt, wenn sie nötig waren. Oft war ich auch zu sehr mit Leben beschäftigt.

Das klingt vielleicht sehr nach einem abschließenden Resümee. Es ist zumindest ein zwischenzeitliches. Ich habe nicht vor, dieses Blog zu schließen, stelle aber fest, dass es mir in letzter Zeit schwer fällt, zu schreiben.

Tagebuch und Bleistift leisten mir momentan ausgezeichnete Dienste, um meine Gedanken zu sortieren. Sie haben den Vorteil, verschwiegener und weniger öffentlich zu sein. Ich schrieb hier darüber, wieder in Therapie zu sein, und in den letzten Wochen habe ich definitiv absolute Tiefpunkte erlebt. Eine Depression lässt sich nicht schildern. Man kann nur diejenigen Menschen beglückwünschen, die das in ihrem Leben niemals erleben müssen.

Mir war Authentizität immer wichtig beim Bloggen. Mich zu verstellen, etwas vorzuspiegeln, was ich nicht bin, nur um mich und mein Geschriebenes interessant für andere zu machen und dafür Applaus zu ernten, ist schlicht und ergreifend nicht mein Ding. Ich wollte nie drastisch und mit pseudo-coolen Kraftausdrücken schreiben, nur um der Aufmerksamkeit willen. Ich wollte aber meine eigene Verletzlichkeit auch nie verstecken. Was hier lesbar ist, ist ein Teil von mir, der echt ist und aufrichtig. Trotzdem ist eben jene Verletzlichkeit auch ein Schwachpunkt. Wenn die Haut zu nackt und zu weich ist und man nicht für und um jedes Wort kämpfen kann, ist es wieder mal Zeit, das Schreiben für eine Weile bleiben zu lassen. Das Wichtigste ist dann allein das Weiteratmen.

Diese Weile ist auch ein guter Zeitraum, um neu auszuloten, ob und was mir das Schreiben hier bedeutet. Vielleicht ändert sich nichts, vielleicht etwas, vielleicht alles. Ich weiß es noch nicht. Fest steht, dass sich im „wahren“ Leben gerade eine Menge ändert, meine Empfindungen sich wandeln, die eigene Einstellung zu Menschen und Gefühlen. Perspektiven. Vielleicht wird es hier irgendwann etwas darüber zu lesen geben. Möglicherweise auch nicht. Das wird sich erweisen müssen.

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