Das Gejammer

Ich kenne kaum etwas, das so unpopulär ist, wie das Sprechen über Schmerz, Leid, Angst, über Bedenken und Sorgen. Der Bericht über die eigene Befindlichkeit wird schnell als anlass- oder grundloses Jammern und Klagen gewertet.

Das ist eigentlich auch kein Wunder in einer Gesellschaft, deren Hauptaugenmerk auf ökonomischem Wachstum und daher auf Erwerbsarbeit und Konsum liegt. Um diese beiden Funktionen – diejenige als Arbeitskraft und diejenige als Konsument – gewinnbringend, effektiv und zuverlässig ausfüllen zu können, muss der Mensch die Komplexität seines Lebens und Erlebens auf ein verwertbares Maß reduzieren.

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Der Name der Väter

Lange habe ich mich gegen das Heiraten gewehrt. Ich habe mit der Ehe meiner Eltern ein mieses Vorbild gehabt, das von wenig Zugewandtheit und Nähe zeugte. Statt dessen fühlte es sich für meine Mutter offenbar an wie ein Gefängnis, das sie an Haus und Kinder band. Zugleich war ihr die Ehe aber auch materielle Sicherung und Statusgewinn, die sie höher als alles andere bewertete. Für meinen Vater war die Ehe indes kein Hinderungsgrund, mit so ziemlich jeder anderen Frau, die ihn attraktiv fand, ein mehr oder weniger intensives Verhältnis zu haben.

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Heute kein Selfie.

Seit dem Sommer 2015 bin ich bei Twitter angemeldet und zwitschere seitdem regelmäßig meinen Senf in die Welt. Zu Facebook konnte ich mich nie durchringen, aber irgendwann fing der Gatte an zu twittern, und darüber hinaus waren es vor allem die Zusammenfassungen auf diversen Blogs, versehen mit Titeln wie „Tweets der Woche“, die mich animierten, das 140-Zeichen-Ding auch mal auszuprobieren. Es gefällt mir und hat sich inzwischen zu einer Art Chat-Neuigkeiten-Kontakte-Apparat ausgewachsen, der mich im täglichen Leben begleitet. Und mit ihm viele Menschen hinter Avataren und Accounts, die liebenswert, spannend, nachdenklich, interessant sind. Weiterlesen „Heute kein Selfie.“

„Stress hat nur der Leistungsschwache!“

Wenn ich nicht so wäre, wie ich bin, dann wäre es mir ganz egal, ob es unpopulär ist, über das eigene Versagen zu schreiben. Aber ich bin, die ich bin. Es macht mir etwas aus, denn die Erwartungen anderer sind nach wie vor viel bedeutender für mich, als ich eigentlich selber will. Das macht die eigene Schwäche noch viel schwerer erträglich, als sie es sowieso schon ist. Weiterlesen „„Stress hat nur der Leistungsschwache!““

Draußen

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Fühlen.
(Seine Hand in meiner. Die Riemen des Rucksacks. Meine Fußsohlen beim Laufen. Die Kleidung auf meiner Haut. Haar, das an meinem Hals kitzelt. Den Wind, der streichelt. Schmerz im Knie und den Muskeln. Die Stiche von Bremsen. Schweiß, der über den Rücken läuft. Schotter unter den Füßen. Den eigenen Atem. Wasser auf der Zunge. Den Gummibund der Socken. Die dick gewordenen Finger. Durst. Insekten, die über die Haut krabbeln. Die Höhe der Bäume. Das Rutschen der Sonnenbrille auf dem Nasenrücken.)

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Veränderliche Konstanten

So lange es nichts gab, das mich zufällig in die Nähe meines Heimatortes verschlagen hatte, habe ich auch nicht groß darüber nachgedacht, ob und wie sich dieses Dorf verändert haben könnte. Man sagt ja gerne, dass man seine Heimat zwischenzeitlich einmal (auch für länger) verlassen haben muss, um wieder neu dorthin zurückkehren zu können. Aber dass ich hinfuhr, war kein bewusster Vorsatz, sondern lag an einer Baustelle, die ich umfahren musste, als ich den Gatten am Freitag zum Bahnhof brachte. Bewusst, wenn auch notgedrungen zurückgekehrt war ich in das Nest bereits vor Jahren. Ich weine ihm keine Träne nach. Weiterlesen „Veränderliche Konstanten“

Ich ertrag’s nicht mehr.

Es gehört normalerweise zu meinen festen Gewohnheiten, nach dem Nachhausekommen von der Arbeit den Fernseher einzuschalten. Auf Tagesschau24 schaue ich mir an, was es Neues in der Welt gibt. Ich möchte gerne kurz und bündig über die Geschehnisse informiert sein, damit ich danach meinen eigenen Kopf in Gang werfen und das Gesehene für mich einordnen kann. Manchmal schaue ich mir noch den einen oder anderen Hintergrundbericht an. Zusätzlich lese ich diverse Blogs, und es tauchen Informationen in meiner Twitter-Timeline auf. Natürlich sind die letzteren beiden Quellen sehr durch meine subjektive Perspektive gefärbt, denn ich lebe nun einmal auch in einer Filterblase. Weiterlesen „Ich ertrag’s nicht mehr.“